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Wandern im Alpengarten der Düfte



In den Kärntner Nockbergen duftet Entspannung nach Speik und Zirbe

Zum Glück sind die Tannenhäher genauso vergesslich wie wir Menschen, wenn es um das Wiederfinden von Verstecken geht. So verdanke ich den tiefen, süßen Schlummer in einem Zirbenzimmer des Trattlerhofs in Bad Kleinkirchheim letztendlich auch dem schlechten Gedächtnis von Nucifraga caryocatactes. Mit seinem harten Schnabel hackt der Vogel die Zirbenzapfen auf, um an die Zirbennüsse zu kommen. Die sammelt der Tannenhäher zu Tausenden als Wintervorrat in vielen verschiedenen Verstecken und weil er nicht alle wiederfindet, trägt er so zur Verbreitung der Zirbe, der Königin der Alpen, bei.

Von der Königin der Alpen in den Schlaf gewiegt

Dieser Baum ist eine echte Kämpfernatur: Die Zirbelkiefer gedeiht in alpinen Höhenlagen ab 1.500 m, in die sich keine andere Baumart vorwagt, trotzt rauem Klima und ungünstigen Bodenverhältnissen, verträgt arktische Temperaturen und wird trotzdem bis zu 1000 Jahre alt. Ein Baum mit Wellness-Charakter ist sie obendrein: Das weiche, leichte und dabei dauerhafte Holz verströmt dank seiner ätherischen Öle einen angenehmen Duft, wirkt nachweislich beruhigend auf den Kreislauf und den fördert den guten Schlaf.

Womit sich der Kreis schließt: vom vergesslichen Tannenhäher über Zirbenwälder bis zu dem duftenden Zirbenzimmer, in dem ich so gut geschlafen habe. Bestens ausgeruht und munter wie eine Lerche – immerhin habe ich in der Nacht dank Zirbenduft an die 3.500 Herzschläge gespart – bin ich bereit für eine Exkursion in den UNESCO Biosphärenpark Kärntner Nockberge, wo einige der größten Zirbenwälder der Ostalpen wachsen. Wer bei dem Gebirgsnamen an rundliche „Nockerln“ denkt, liegt übrigens ganz richtig, denn sanfte Kuppen sind charakteristisch für die Gipfelregionen dieses uralten Gebirges im Herzen Kärntens.

Dem „Gold der Nockberge“ auf der Spur

Ich bin zu einer Speik-Wanderung verabredet, auf der uns Biosphärenpark Ranger Heinz Mayer eine weitere botanische Kostbarkeit der Nockberge zeigen wird – den Echten Speik (Valeriana celtica supsp. Norica). Um zu den Speikböden zu gelangen, muss man ziemlich weit hinauf steigen, die Heilpflanze macht sich nämlich recht rar, sie wächst erst ab einer Höhe von 1.800 m und nur hier in den Nockbergen. Wir kürzen den Aufstieg etwas ab, mit der Nationalparkbahn Brunnach geht es bergwärts, was nicht unbedingt sportlich, dafür aber umso bequemer ist. Die Aussicht in die Runde der Kärntner Berge von den Karawanken bis zu den Hohen Tauern ist auch so überwältigend.

Ohne Heinz‘ kundige Führung hätten wir das unscheinbare Baldriangewächs wohl kaum gefunden. Es wird höchsten 15 cm hoch und trägt kleine gelbe Blüten. Der würzig-herbe Duft ist dafür umso markanter, so dass man das bescheidene Pflänzchen mit der Nase eher als mit den Augen bemerkt. Doch der Speik hat es in sich, weiß Heinz zu berichten: Aus den Wurzeln wird ein ätherisches Öl gewonnen, das nicht nur gut riecht, sondern auch beruhigend wirkt, ohne zu ermüden. Deshalb ist der Speik seit vielen Jahrhunderten ein Exportschlager, bis in den Orient wurden Speik-Produkte gehandelt, einer der Hauptabnehmer war der Topkapi-Palast in Istanbul.

Lieber Speik-Fußbad als Speiksitzen

Um die massenhaft ausgegrabene Heilpflanze zu bewahren, wurden sie im vergangenen Jahrhundert unter strengen Schutz gestellt, heute haben nur einige wenige Bauernfamilien aus der Region die Lizenz zum Speik stechen. Die Erntezeit ist traditionell zwischen Mariä Himmelfahrt und Mariä Geburt (15. August bis 8. September), der Bestand wird durch die „kontrolliert biologische Wildsammlung“ nicht dezimiert sondern sogar gefördert.

Früher wurden die Hütten, in denen die gesammelten Wurzeln getrocknet und gelagert wurden, für eine ziemlich einmalige Art der Bestrafung verwendet. „Ehebrecher, Diebe und andere Spitzbuben haben unsere Vorfahren zum ‚Speiksitzen‘ verdonnert“, erzählt Heinz, „nach einiger Zeit in einem Speik-Stadel war ein Übeltäter schon zehn Meter gegen den Wind an seiner Duftmarke erkennbar.“

Während wir über die blumenreichen Almwiesen der Nockberge zum nächsten Ziel, dem Falkerthaus, wandern, fällt mir ein altes Kärntnerlied ein, das ich in der Schule gelernt hatte. Da erzählt ein „armer Bua“ davon, wo er überall hinaufklettert, um seinem Mädchen die schönsten Blumen zu bringen, Enzian, Edelweiß und „Speik wohl a(uch)“. Ob er auch Speiksitzen musste, weil er keine Lizenz zum Graben hatte?

Wozu die Zirbe noch gut ist

Wie der Speik wirkt, dürfen wir bei der Rast am Falkerthaus im Selbstversuch testen. Nach der Rundwanderung über Mallnock und Oswaldeck sind die Beine schon etwas müde, da kommt ein erfrischendes Fußbad in einem Holzschaff voll klarem Quellwasser gerade recht. Danach bekommen die Füße eine Einreibung mit wohlriechendem Speiköl und leichtfüßig schreiten wir zum gemütlichen Teil des botanischen Ausflugs – zu fangfrischen Forellen aus dem Fischteich.

Nach einem guten Essen ist eine Schlichtungsrunde unvermeidlich – erst recht auf einer Kärntner Alm. Darf’s ein Zirbenschnaps sein? Das hell rötliche Getränk schmeckt so wie mein Zirbenzimmer im Trattlerhof riecht – angenehm herb und harzig. Kein Wunder, grüne Zirbenzapfen, angesetzt in hochprozentigem Korn ist das Rezept dieses hochgeschätzen Feuerwassers. Übrigens dürfen nur die Tannenhäher so viele „Zirben-Tschurtschalan“ sammeln, wie sie wollen, für alle anderen ist die Anzahl streng limitiert: genau drei Zapfen pro Kopf und Tag. Darauf bitte noch einen „Zirbenen“.

Informationen und Termine für Speikwanderungen:

Tourenportal der Region Bad Kleinkirchheim, http://www.badkleinkirchheim.at/wandern-speik/

Übernachtungstipp:

Hotel Trattlerhof ****, www.trattlerhof.at

Die Gastgebertradition des Trattlerhofes in Bad Kleinkirchheim liegt seitüber 130 Jahren in den Händen der Familie Forstnig, die das renommierte 4-Sterne-Hotel in fünfter Generation betreibt. Familiäre Gastlichkeit, alpiner Charme und vorbildliches Engagement für Klimaschutz und Nachhaltigkeit gehen dabei Hand in Hand.

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