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Typen im Schnee



Redaktionell verfasste Medieninformation. Der Abdruck von Text und Fotos ist honorarfrei.

So heißt eine Serie, in der wir Menschen vorstellen, die beruflich oder privat ausgesprochen eng mit dem weißen Metier verbunden sind. Heute: Peter Holzner, Sportshop-Betreiber in Obertauern im Salzburger Land.

DER SKIVERLEIHER

Der Skiverleiher besitzt selbst nur 1 Paar Ski. In zwei Metern Länge. Damit benötigt er für die rote Abfahrt Gamsleiten 1 hinab genau einen Schwung. „Aber bei da Zwoara“, sagt er und meint damit die tiefschwarze Gamsleiten 2, „brauch’ i zwoa.“

Nicht etwa, dass der Skiverleiher damit angeben wollen würde, wie wahnsinnig schnell er auf Brettern unterwegs sein kann. Aber die Angelegenheit verhält sich einfach so: Er ist an dieser Piste aufgewachsen. Es ist SEIN Revier. „Mein Vater war dreißig Jahre lang Betriebsleiter der Gamsleitenbahn“. Peter Holzner (49) deutet auf ein Haus am Berg: „Das war das unsere.“

Skifahren war das sozusagen Kinderleben des gelernten Einzelhandelskaufmanns. Heute fährt er nicht mehr so viel. „Fast nur noch, wenn schön Wetter ist.“ Weil: „Bei schönem Wetter sind alle Leute auf der Piste. Da ist in unseren Läden nicht so viel los. Da kann ich dann auch ’raus.“
Die Läden sind sechs Sportshops- und Skiverleih-Betriebe in Obertauern sowie zwei weitere auf der Turracher Höhe. „Ich manage alle acht.“ Mit Unterstützung der Familie: Bruder Mike werkelt auf der Turracher Höhe, Schwager Hermann bildet „meine linke und meine rechte Hand“, Schwester Ilse besorgt die Buchhaltung und Neffe Florian „ist der Lehrling“. Der Hermann und er, sagt der Peter, „haben das vor 24 Jahren aufgebaut“. Damals: 60 qm, 1 Laden. Heute: Wir wissen es.

Der berühmteste der acht ist die SKIWORLD – ein Skiverleih mitten im Ort, Römerstraße 69, weil hier die Römer mal durch zogen. Heute ist das die Bundestraße 99, von Freaks Route NintyNine genannt. Von Motorrad-Freaks. Denn die lieben die Route 99 und es gilt als Sommerpflicht eines jeden Obertauernwinterurlaubers, der zu Hause eine Maschine stehen hat, mit jener diesen Tauernpass zu befahren – um beim Skiverleiher einen Zwischenstopp ein zu legen. Für einen Espresso auf der Sonnenterrasse vor dem Laden.

„In den achtziger Jahren“, erinnert sich Peter Holzner, „lag in Obertauern das Verhältnis Leihski/Verkaufte Ski bei etwa 50:50. Heute liegt es bei 90:10.“ Die Gründe des Booms sind bekannt: Keine Gepäckschlepperei bei der Anreise. Keine Anschaffungskosten. Bei Nichtgefallen Umtauschen. Perfekt präparierte Latten. Und so weiter. Und so wird es auch weiter gehen, denn:

„Das Leben wird immer schneller“, weiß Holzner. „Jedes Handy und jeder PC wird schneller. Also wird auch der Skiverleih immer schneller. Und das ist wichtig – denn die Urlaube werden auch immer schneller“. Vielfach nur noch ein 4- statt wie früher ein 7-Tage-Trip. Holzners Handy ertönt nun – mit dem Ton der eigenen Harley, bei der gerade Gas gegeben wird. Immer schneller – Gas geben auch beim Telefonieren.

Peter Holzner, der Einheimische, liebt an seinem Obertauern, „dass es eine kleine Gemeinschaft ist. In der Jeder Jeden kennt.“ Und er liebt es, „dass die Landschaft sich durch die Höhenlage von der übrigen Region abhebt. Und dass Obertauern eine ganz spezielle Eigenheit besitzt: eine Schneeschüssel zu sein.“ In der „die Anordnung der Lifte so gut ist, dass man von jeder Bergbahn von oben herab sieht, wo man gerade ist.“

Peter Holzner ist derart begeistert von seinem Ort, dass er als Werbe-Testimonial des Fremdenverkehrsamtes eingesetzt werden könnte. Wenn er nicht auch ungeniert von sich geben würde, was ihm weniger gut an Obertauern gefällt: „Der Schmutz im Winter auf der Bundesstraße. Die wird gesalzen ohne Ende und es spritzt dadurch und sieht einfach unschön aus.“ Route DirtyNine.
Und weil er gerade in Fahrt ist, breitet er auch seine Gedanken über das Negative seines Jobs aus: „Das Mitarbeiter-Problem. Wir kriegen zu wenig Saisonarbeiter. Das bremst die Tourismus-Orte am stärksten und da ist der Staat gefordert. Bei dem einen heißt es bei der Vermittlung ,Der ist überqualifiziert’ und beim nächsten ,Der ist unterqualifiziert’.“

Das Schönste wiederum an seinem Beruf: „Dass wir extrem viele Stammgäste haben und wir uns schon immer darauf freuen, wenn sie wieder kommen. Viele bringen uns sogar Geschenke mit! Da ist ein Urvertrauen da bei ihnen, dass wir es beim Verleih ehrlich mit ihnen meinen. Die träumen den ganzen Sommer über schon vom Winter, sagen sie uns immer.“

Manche haben dann bei der Anreise Stau, brauchen Schneeketten, fühlen sich an der Hotelrezeption ihrer Meinung nach entschieden zu lange in der Eincheck-Schlange gefangen – und kommen dann zum Skiverleiher. „Wir sehen sofort“, sagt Peter Holzner, „wenn einer hektisch ist, mit den Kindern ’rum schupft und die Frau an zischt – den holen wir sofort aus der Gruppe und behandeln ihn extra. Denn sobald er sich korrekt behandelt fühlt, fühlt er sich stressfrei.“ Bei welchem Psycho-Verkaufs-Seminar er das gelernt habe? „Das ist einfach Lebenserfahrung. Man muss ja nur von sich selbst ausgehen.“

Neben der Lebens- existiert auch noch eine geographische Erfahrung: „Auf der Piste gibt es bei uns null Steine. Auf der Straße schon. Und in Obertauern fahren die Leute gern auf der Straße.“ Mit den Skiern. „Oder sie fahren bei der Lürzeralm ’runter. Da gibt es einen Kanaldeckel und wir wissen anhand eines unverkennbaren Kratzers sofort, wenn wir den Ski checken, dass er da drüber gebrettert ist.“. So seien sie eben, „die Street Racer“, deren Anteil an der Skifamilie „etwa 1 Promille“ beträgt.

Und natürlich würden oftmals Ski untereinander vertauscht und wenn dies zudem während gewisser Wochen, „in denen sich Experten zum Trinken treffen“, passiere – dann sei Koordination erforderlich. „Die Polizei und wir arbeiten dann gerne zusammen, damit alle Teile wieder zueinander finden.“

EINE Gefahr hingegen besteht nie: Dass jemand versehentlich in Holzners 2-m-Ski steigt. Denn damit würde er nicht 2 Schwünge für die Gamsleiten-2er und nur einen Schwung für die 1er benötigen – sondern keinen einzigen Schwung zusammen bringen.
Denn die Ski des Skiverleihers beherrscht nur der Skiverleiher.

Infos: www.obertauern.com

Typen im Schnee: So heißt eine Serie, in der wir Menschen vorstellen, die beruflich oder privat ausgesprochen eng mit dem weißen Metier verbunden sind. Heute: Matthew Will, aus Florida stammender Feuerwehr-Hotelier in Obertauern im Salzburger Land.

EIN AMERIKANER IN OBERTAUERN

Es brannte. Auf den Nägeln der Zeit. Matthew Will wollte so rasch wie möglich integriert werden. Denn wenn du als Fremder in ein eingeschworenes Alpendorf von 200 Bewohnern kommst und dies deine neue Heimat werden soll – oh mei. Und Matthew war ein SEHR Fremder. Nicht einmal ein Österreicher. Ja – net amoi a Europäer! Sondern : Ein Amerikaner. Aus St. Petersburg in Florida. Und was machst du, wenn du als Fremder schlau bist und es – symbolisch betrachtet – brennt? Dann gehst zur Freiwilligen Feuerwehr des Dorfes! Die Anmeldung für den Löschdienst war demzufolge eine der ersten Amtshandlungen des frisch Eingetroffenen. Seitdem ist Matthew Will (39) kein Fremder mehr. „Wenn Alarm ist“, sagt seine Frau Elisabeth, auch eine Fremde (aus Radstadt, beträchtliche 21 Kilometer von Obertauern entfernt), „springt er sofort aus dem Bett!“. Und in die stets parat stehenden Stiefel hinein.

Na ja, GANZ fremd ist Elisabeth Will in Obertauern natürlich nicht. Ihr Vater, der bekannte Architekt Rupert Habersatter, hat Obertauern einst mit auf gebaut. Und die Tochter hat 2012 ein 54-Betten-Hotel in Obertauern geerbt, das Alpina mitten im Obertauerner Dorfkern. Kennen gelernt haben der Sohn Floridas und die Tochter des Salzburger Landes sich in Sun Valley/Idaho – wo sie beide im gleichen Hotel arbeiteten. Matthew fuhr einen coolen Ford Mustang Baujahr 65 und machte das Rennen bei Elisabeth.

Das war in einem Sommer. Inzwischen haben sie den bereits vierten Winter im Schnee von Obertauern hinter sich – erfolgreich. Vermutlich auch deshalb, weil sie drei Mal pro Woche mit ihren Gästen Skifahren. Am Montag die Tauernrunde mit Einkehrschwung, am Mittwoch eine Gute Morgen-Tour mit Weißwurst-Frühstück und am Freitag die Seven Summit-Herausforderung. Immer geleitet von einem Skilehrer, immer dabei einer von ihnen beiden. „Das ist super für die Gästebindung“, sagt Elisabeth. „Und die Gäste schließen auch untereinander Kontakt“, sagt Matthew. „Das hält sie zusammen und sie kommen zu uns zurück.“ Er hat das Wedeln in der Kindheit in Virginia, New York und Pennsylvania erlernt.

Ein langer Winter jeweils in Obertauern – und am 17. Juni wurde schon wieder aufgesperrt. Hart, dieses Leben? „Naaaa!“ (Sie.) „Nooooo!“ (Er.) „Vom Zusperren macht man keinen Gewinn.“ (Beide.) „Mein Mann“, weist die Frau darauf hin, „ist sehr darauf bedacht, den Sommer-Tourismus in Obertauern voran zu treiben.“

Doch das Hauptgeschäft ist nun mal der Winter. Was liebt Matthew Will an Obertauern in Weiß? „Die Höhenlage. Den Schnee. Dass man die verschneiten Berge sieht, wenn man aus dem Fenster schaut. Die Schneesicherheit und dass man sich auf sie verlassen kann.“ Sowie das ganze Jahr über: „Die Gemeinschaft mit den Einwohnern – es ist immer ganz gute Stimmung hier heroben.“ Auch bei den Urlaubern: „Die Leute kommen her, um Spaß zu haben. Sie wollen genießen. Ein paar gibt es immer, die Fehler suchen…“

Oder Mist bauen. Einmal hat einer ihrer deutschen Gäste versucht, mit seinem BMW die Piste runter zu fahren. Er hatte in der Werbung gesehen, dass der xDrive ÜBERALL fahren kann. Aber eben nur in der Werbung. Ein massives Pistengerät musste ihn wieder „an Land“
bringen. Es kostete den Reklamehörigen eine Runde. Und es gab viel zu lachen. Nicht hingegen bei jenem Ehepaar, das sich derart zerstritt, dass die Gattin vorzeitig abreiste. Alleine.

Besteht ein Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Gästen, Mr. Will? „Ja. Die Amerikaner sind lockerer – und schneller zufrieden zu stellen. Sie sind unkomplizierter und haben keine so große Erwartungshaltung. Und sie genießen es, in einem Familienbetrieb zu sein – so was kennen sie nicht.“

Und wo erholen die beiden selbst sich? „In Florida“. Jeden Mai. Matthews Familie besuchen. Elisabeth: „Aber das ist keine Erholung“. Matthews: „Für mich ist Erholung hauptsächlich, endlich richtig Zeit für die Kinder zu haben.“

Es sind drei. Die von klein auf aufwachsen in Obertauern. Neue Einheimische gewissermaßen. Mit jetzt schon großem Stolz – auf den Papa im Feuerwehr-Gwand.

Infos: www.obertauern.com , www.alpina.co.at

Typen im Schnee: So heißt eine Serie, in der wir Menschen vorstellen, die beruflich oder privat ausgesprochen eng mit dem weißen Metier verbunden sind. Heute: Michaela Brandl, Wirtin der auf 2.180 m Höhe gelegenen Gamsmilchbar in Obertauern im Salzburger Land.

EINE MILCH UND IHRE STARS

Eigentlich ist ja die Milch der Star. Die Gamsmilch. Erfunden hat sie in den 70iger-Jahren Walter Fötschl, damals Weltmeister im Rückwärts-Skifahren. Sie ist berühmt, die Gamsmilch. Jeder, der Urlaub in Obertauern macht, muss sie mindestens 1 x während der Ferien getrunken haben. Manche nehmen sie freilich jeden Tag zu sich. Und der Rekord steht bei 16 Stück hintereinander, gehalten von einem jungen Niederösterreicher.

Ausgeschenkt wird die Gamsmilch in der Gamsmilchbar unterhalb des Ausstiegs der Zehnerkarbahn. Und zwar von Michaela Brandl. Die 43jährige Steirerin führt die Hütte nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt und avancierte mit ihrer ruhigen und niemals grantigen Art zum WAHREN Star der Hütte. Neben dem Josef natürlich. Der Josef stammt aus St. Lucia in der Karibik und bringt die Gamsmilch, welche die Michi kreiert, zu den Tischen der Gäste. Der Josef (50, verheiratet in Radstadt, drei Kinder) hat sich selbst einen Spitznamen gegeben: „Schoko“. Seitdem sagt kein Mensch mehr Josef zu ihm.

Schokos Sonderstellung: Er fährt jeden Tag nach Betriebsschluss mit dem Zipfelbob zu Tal. Alle vier anderen des Hüttenteams auf Ski. Und zwar NEBEN der Piste. Denn deren Präparierung wollen sie nicht stören. „Diese tägliche gemeinsame Abfahrt“, so Michaela Brandl, „ist einfach etwas Wunderbares. Auch bei Nebel und Schneefall.“ Skifahren zu können ist also Bedingung für ihr Personal. Wobei der ungarische Koch es erst einmal lernen musste.

Michaela Brandl hat noch nie in der 52 Jahre alten Hütte übernachtet. Stets abends schwingt sie ins Tal. Und sie trinkt auf der Hütte auch keine Gamsmilch (welche 60 % des Hüttenumsatzes ein fährt). „Die ist mir zu stark – da könnte ich nicht mehr arbeiten.“

Andererseits sorgt der Burner für ziemliche Lockerheit bei den Skifahrer(inne)n. Bereits nach einem Glas (4,70 Euro) verlieren sämtliche Steilhänge ihren Schrecken. Bestand: Milch vom Bürgermeister von Untertauern (Michi: „Weil die einen eigenen Fettgehalt hat“), Kakao, Zucker und eine ganz spezielle Rum-Mischung. Wie viel Liter Milch pro Winter wird benötigt? Die Wirtin, fein lächelnd: „Betriebsgeheimnis“.

Was ist für sie das Schönste an Obertauern? „Der Schnee! Die ganze Berge rund herum. In der Früh’ die Ruhe, wenn man ’rauf fährt. Wenn es draußen stürmt und schneit – und man ist herinnen. Eigentlich ist alles schön. Jeden Tag wieder.“

Und wenn es im Frühjahr vielleicht etwas zu lange dauert mit dem ewigen Weiß? „Dann bleibe ich einfach bis zum letzten Tag, dem 1. Mai, in Obertauern. Denn dann sehe ich kein Grün.“

Im Herbst arbeitet sie jedes Jahr im Käfer-Festzelt auf dem Münchner Oktoberfest. „Die Münchner, die mich kennen, kommen dann immer auf eine Maß oder ein Haferl Kaffee vorbei, um mich zu treffen.“
Eine Gamsmilch allerdings hat der Käfer nicht im Repertoire. Die gibt es nur in Obertauern, auf 2.180 m Höhe. Angerührt von der Michi und serviert vom Josef – den drei Stars des Gamskogels.

„Die Gams springt hoch“,
singt der Josef gerne,
„die Gams springt weit,
es ist ihr wurscht,
sie hat ja Zeit.“

Und der Walter Fötsch, der Gamsmilch-Erfinder? „Der ist 71“, weiß die Michi, „und fährt immer noch Ski. Mit geschnürten Lederschuhen.“
Und sicher auch noch rückwärts.

Zumindest nach der dritten Gamsmilch.

Infos: www.obertauern.com

Typen im Schnee: So heißt eine Serie, in der wir Menschen vorstellen, die beruflich oder privat ausgesprochen eng mit dem weißen Metier verbunden sind. Heute: Gottfried Gruber, der Schneeräum-Chef von Obertauern im Salzburger Land.

DER MIT DER STRASSE, DEM SCHNEE UND DEM WETTER LEBT

Jeden August fährt er mit der Frau und den beiden Kindern ans Meer. Aber nur für eine Woche. Dann will er wieder zurück. Ins Gebirg’. Und wenn dort erstmals im Jahr Schnee fällt, dann beginnt es bei ihm zu prickeln. Gottfried Gruber (51) ist seit zwölf Jahren der Leiter des Bauhofes von Obertauern im Salzburger Land. „Wenn es erstmals schneit“, so Gottfried

Gruber, „dann ist das für mich ein freudiger Moment.“ Er lächelt. Stellt es aber sofort ein, denn ihm kommt spontan in den Sinn: „Die Frau zu Hause hat nicht so eine Freude. Denn man ist ja dann ein anderer Mensch. Man ist auf die Arbeit und das Wetter fokussiert. Man lebt mit dem Wetter und der Straße mit.“ Seit 1988 schon.

Er selbst, der Chef, fährt eine große Fräse. 390 PS, 3 Meter breit, ein Fendt. „Das Beste am Markt. Wir haben vier Stück davon.“ Der Job des Bauhofs ist im Winter vor allem die Schneeräumung. „Wir stehen immer in Bereitschaft. Letzten Januar und Februar sind wir an 16 Tagen um 3 Uhr in der Früh’ ausgefahren.“

Eine ungute Zeit. Denn es liegen bisweilen Helden der Nacht im Weg. „Einmal ist einer mitten auf der Straße gelegen. In tiefem Schlaf. Der war schon von Schnee bedeckt.“ Hat es aber vom Alkohol her nicht bemerkt. „Der Fahrer“, sie sind zu viert am Bauhof in Obertauern, vier Einheimische, „hat ihn in einen Windfang gestellt und den Arzt angerufen.“ Er wurde gerettet. Während vor Jahren einem Touristen fast nicht mehr geholfen werden konnte: Bei Schneesturm und Nebel trennte eine Fräse ihm ein Bein ab. Doch er überlebte.

Gottfried Gruber liebt seinen Beruf, 7 Tage-Woche im Winter, 4-Tage-Woche im Sommer. Nur die „Angesoffenen in der Party-Meile“ seien ein wirkliches Problem. „Das ist gefährlich, die haben teilweise kein Verständnis und glauben, sie sind alleine auf der Welt.“

Ganz alleine auf jener Welt fühlte sich mal ein leicht bekleidetes Mädchen, das mitten in der Nacht in seine Fahrerkabine flüchtete. „Mich friert es so!“

„Was ist denn mit Deinem Freund?“

„Der ist ja das Problem!“

Gruber brachte sie dazu, den Problemkerl an zu rufen.

„Er kam dann und hat sie abgeholt.“

Gehen die Gäste bisweilen etwas auf die Nerven? „Das nicht! Aber sie machen unsere Arbeit manchmal halt schwierig. Und dann wollen immer welche, dass wir sie in der Nacht mit nehmen und nach Hause bringen – wissen aber nicht mehr, wo sie wohnen…“

Außerdem ist der Bauhof im Winter u.a. noch für die Präparierung der 15 km Langlauf-Loipen und der parallel dazu laufenden Winterwanderwege zuständig, für die Stationierung der Müllkübel im Ort, für das Funktionieren der Straßenbeleuchtung mit ihren 250 Laternen, für die Aufräumarbeiten in der Party-Meile mit den zerbrochenen Gläsern etc. und für die Freischauflung des Friedhofs von durchaus mal zwei bis drei Meter Schnee, „wenn einer gestorben ist“.

Dann sind die Männer des Bauhofs auch als Totengräber tätig. „Ich habe schon oft versucht, das jemand zu übertragen. Aber die Obertauerner wollen keine Toten anpacken.“ Er selbst stammt aus Tweng, das teilweise zu Obertauern und teilweise zu Untertauern gehört.

„Eine wahnsinnige Arbeit“, erzählt er, sei es, Ende November den Christbaum im Ort auf zu stellen und die gesamte Weihnachtsbeleuchtung zu bestücken sowie anschließend zu warten. Obertauern leuchtet dann und Gottfried Gruber gefällt das getane Werk. Wie ihm auch „die Höhe“, des auf 1.750 m gelegenen 200-Bewohner-Nests gefällt, „das Gebirge und das Klima: Selbst wenn unten eine Hitze ist – ist es hier heroben immer schön kühl.“

Und das Schönste an seinem Job? „Dass er so abwechslungsreich ist. Man weiß nie, was am nächsten Tag kommt. Und dass man einesteils Maschinist ist – und anderseits als Leiter auch im Büro sitzt. Aber ich bin natürlich lieber draußen.

Selten steht ihm der Schnee bis zum Hals, selten steigt bei ihm das Gefühl empor „Jetzt reicht’s!“. Und bei absolut superschlechtem Mega-Mies-Wetter, wenn man dann doch nicht so richtig raus kann? „Dann freut sich die Frau. Weil ich im Keller dann endlich mal das Regal baue.“
Was im Winter ja fast so etwas ähnliches ist – wie im Sommer mit ihr ans Meer fahren.

Infos: www.obertauern.com

Typen im Schnee: So heißt eine Serie, in der wir Menschen vorstellen, die beruflich oder privat ausgesprochen eng mit dem weißen Metier verbunden sind. Heute: Marissa Gell, Hotel-Rezeptionistin in Obertauern im Salzburger Land.

MENSCHEN IM HOTEL

Marissa Gell ist Rezeptionistin – „auf dem Sprung zur Chef-Rezeptionistin“. Das heißt: dass sie den Karrieresprung bei Erscheinen dieses Textes vielleicht bereits vollzogen hat. Sie wird dann auch für die Online-Vermarktung des 4****-Hotels Kohlmayr Royal in Obertauern zuständig sein. Zusätzlich zu ihren bisherigen Aufgaben, die da wären: Gästebetreuung, Check-in, Check-out, Beschwerden, Telefon, E-Mail-Verkehr und anderes. Marissa Gell (26) wird dann aber trotz des erweiterten neuen Tätigkeitsbereichs nicht weniger Skifahren als vorher. Denn weniger als sie fährt, geht nicht. Weil unvorstellbar – aber wahr: Marissa Gell arbeitet in einem der Ski-intensivsten Orte der Alpen – und fährt Nullkommanull Ski.

„Die Zeit dazu hätte ich“, sagt sie. „Aber da würde die Angst bei mir mit fahren, dass ich mich verletze. Darum lasse ich es bleiben. Denn ein Unfall würde eine lange Ausfallzeit bedeuten.“ Und den will sie sich weder als Rezeptionistin noch als Chefrezeptionistin ein handeln. Stattdessen nützt sie ihren freien Tag für: Lang schlafen, Post, Bank, Arzt etc. Und zwar nicht in Obertauern, sondern in Tamsweg. Dies ist ihr – 28 km entfernt gelegener – Heimatort. Von dort aus düst sie mit dem Auto jeden Arbeitstag den Tauernpass nach Obertauern hinauf.

Jener Arbeitstag währt entweder von 8 bis 17 Uhr oder von 13 bis 22 Uhr. Und „nicht jeder Tag ist gleich. Das ist das Schöne an meinem Job, die Abwechslung. Ich habe genau das, was ich wollte: einen Büro-Beruf – aber Kontakt mit Menschen. Wobei einige Stammgäste fast schon keine Gäste mehr sind, sondern Freunde.“

Entstehen jedoch auch Situationen, da diese Urlauber auf die Nerven gehen? „Natürlich gibt es auch solche Tage, an denen man sich denkt: ‚Jetzt kommt der schon WIEDER! Was will er denn JETZT schon wieder!?!’ Das ist aber dann keine grundsätzliche Sache, sondern bezieht sich nur auf bestimmte Personen. Man muss dann aufpassen, dass man das nicht auf die nächste Person, welche eine Maus zum Elefanten macht, überträgt.“
Methode?

„Man muss dann einfach die Ruhe bewahren und die Meinung für sich behalten und schön lächeln und sagen: ;Wir machen das für Sie’.“
Besonders spannend: „Die Spätschicht am Samstag, in der ein großer Gästewechsel statt findet – da sieht man nicht mehr auf die Uhr, so rasch rennt die Zeit dahin. Aber wenn es – an anderen Abenden – ruhiger zu geht, wird der Spätdienst schon lang. Denn man kann ja trotzdem nichts anderes machen – Lesen zum Beispiel.“

Sechs-Tage-Woche im Winter und 4,5-Tage-Woche im Sommer – im Urlaub geht es dann nach Berlin oder Italien oder so. Weg vom Schnee. Und mal weg vom Job. Der auch seine traurigen Tage kennt: „Wenn zum Beispiel Gäste abreisen müssen, weil zu Hause ein Todesfall passierte. Und letzten Winter ist einer unserer Gäste unter eine Lawine gekommen und gestorben. Wenn man dann die Angehörigen sieht…“

Da seht sie lieber Obertauern. „Die Kulisse.“ Die empfinde sie als das Schönste von Obertauern. „Wenn man bei uns im Hotel hinten bei Traumwetter ’raus schaut – das ist fast schon kitschig!“. Außerdem liebt sie „die Events, die hier statt finden – egal ob Gamsleiten-Kriterium, Opening-Konzert oder Fridge-Festival – da kommt einfach ein besonderes Publikum ins Hotel!“. Und nach dem Dienst „kann ich dann noch selbst zur Veranstaltung gehen.“

Aber auf passen, Marissa – ja nicht aus rutschen auf dem Weg! Sonst droht vielleicht ein langer Ausfall. Und dann hätte sie gleich zum Skifahren gehen können.

Infos: www.obertauern.com

Typen im Schnee: So heißt eine Serie, in der wir Menschen vorstellen, die beruflich oder privat ausgesprochen eng mit dem weißen Metier verbunden sind. Heute: Diethard Thallinger (73), von allen genannt „Thalle“, Fotograf in Obertauern im Salzburger Land.

ALS OBERTAUERNS WELT NOCH SCHWARZWEISS WAR

Sind Sie eigentlich ein Alteingesessener von hier?

Ich bin gebürtiger Kärntner, lebe jeden Sommer dort am Weißensee und im Winter in Obertauern. Hier herauf kam ich 1964. Aber der Ort ist sooooo jung – der hat keine Ureinwohner in diesem Sinne. In Obertauern sagt keiner zu einem, der hier lebt, aber nicht hier geboren oder aufgewachsen ist: „Du bist ja ein Salzburger oder Wiener oder so.“

Sie seien, wurde uns gesagt, der Haus- und Hoffotograf von Obertauern und…

Gewesener! Gewesener! Ich bin seit neun Jahren in Pension und mache nur noch was, wenn sie keinen anderen finden. Ein Professor hat mal gesagt: „Jetzt gehe ich in Pension und lebe im Augenblick. Und so lebe ich jetzt auch.“

Also eher eine lebende Legende.

Ich habe dreißig Jahre lang für den Bürgermeister und Tourismusverbands-Chef Dieter Kindl fotografiert, die Prospekte und vieles andere. Zum Beispiel den ältesten Skiurlauber von Obertauern – einen 98jährigen Wiener. Und den jüngsten. Der war zwei. Lifteröffnungen, Nachtleben, Hochzeiten. Von der Hasselblad bis zur Mamiya. Früher war das ein Statussymbol für den Fotografen. Heute hat jeder ein Handy. Da macht die Kamera 20 Aufnahmen und das beste Bild sucht man ’raus.

Waren Sie da fest angestellt?

Ich hatte ein Fotogeschäft und Souvenirs und Antiquitäten mit vier fest angestellten Fotografen – zur Schwarzweiß-Zeit damals. Da musste ich nicht vom Tourismusverband selbst noch angestellt werden.

Und vermutlich haben Sie zur SW-Zeit damals alles selbst entwickelt.

Klar, ich hatte ein eigenes Labor. Das musste ja auch sein bei den vielen Fotografier-Möglichkeiten. Die ganzen Skikurse damals – mit Erwachsenen noch. Da hat jeder ein Schwarzweiß-Bild gekauft. Auch abends habe ich viel fotografiert – und am nächsten Tag haben sie dann das gekauft. Heute ist das alles vorbei…

Aber Hochzeiten gehen schon noch?

Gelegentlich. Insgesamt habe ich in meinem Leben außer Einheimischen-Vermählungen auch noch fünf Hochzeiten fotografiert – von Touristen! Die hatten sich in Obertauern kennen gelernt und wollten dann hier auch heiraten. Ein deutsches Paar wünschte mal direkt neben einer Wächte abgebildet zu werden, die wohl wichtig für sie war. Da musste ich mit denenauf Ski in den Schnee. Die Braut kam mit weißem Kleid in Skischuhen. Heute ist es mit den Hochzeitsfotos so, dass am nächsten Tag der Pfarrer mit dem Laptop kommt und von Seite zu Seite wischt und „Welche wollen Sie?“ fragt…

Was haben Sie am liebsten fotografiert?

Die Landschaft. Ich habe ja auch einen Ansichtskarten-Verlag. Heute schreiben nur noch die Briten und ein paar aus dem Osten. Ansichtskarten sind fast gestorben. Ich bin da mit Tourenski unterwegs und finde Positionen, die kein anderer Fotograf kennt. Das ist eineAufgabe, die einen beruhigt. Man schaut, wie das Licht ist – und dann muss man zum richtigen Zeitpunkt dort sein.

Waren Sie auch sonst auf Tourenski unterwegs – und ist da nie was passiert?

Nie. In den ganzen 40 Jahren nicht. Obwohl wir die verrücktesten Rinnen gefahren sind. Der Bäcker hat uns immer weder gesagt: „Ich habe schon eine Kupfertafel für euch in Auftrag gegeben. Weil ihr werdet wie der Ötzi enden!“.

Welche Foto-Jobs mochten Sie gar nicht?

In Obertauern keine. Da war alles prima. Aber in der Lehrzeit in Wien musste ich Fotos von den Aufgebahrten im Sarg machen. Das hat mir nicht getaugt, aber ich war halt der Lehrbeitl. Interessant war auch, eine Generalprobe vom Karajan zu fotografieren. Er schrie:
„Fotografen hinaus!“ Den hat der Schlitzverschluss der Kamera gestört, so ein winziges Geräusch! Daran merkte man, was der für ein Ohr hatte. Ich wurde später dannGeschäftsführer des größten Fotogeschäfts in Wien. Und habe mit Frack auf dem Opernball fotografiert – mit zwei Puppelen (Mädchen, Anm. d. Red.) links und rechts, die mir die Kassetten reichten für die Linhoff 10 x 15 cm-Kamera. Aber irgendwann dachte ich mir: Ab in die Berge!

Was gefällt Ihnen in Obertauern am besten?

Wir haben einen überschaubaren Ort. Wenn man mit den Ski unterwegs ist, kann man mit jedem Lift fahren und kommt automatisch immer wieder unten ’raus. Und die Leute gefallen mir! Das ist eine Einheit, die Familien befehden sich nicht. Diskussionen gibt es überall. Auch die Touristen mag ich – denn ich bin gerne unter Menschen.

Ihre Läden und Ihr Job haben sicher was abgeworfen.

Ich habe mein ganzes Geld in Düsenlärm umgelegt und die ganze Welt bereist. Aber meistens in der Scheißhäuslklasse. Na ja, nicht immer. Ich kannte einen Chefpiloten, dem besorgte ich eine Wohnung in Obertauern. Dafür bekam ich immer Upgrade. Und Zugang zu den schönsten Frauen des Flugzeugs. Er hat die ganzen Puppelen nach Obertauern gebracht. Er war zwar verheiratet, aber trotzdem ein Lauser. Aber ich war natürlich auch viel mit Zügen unterwegs. Letzten Mai zum Beispiel mit der Transsibirischen Eisenbahn. Der Giftmischer war auch dabei. (Apotheker von Obertauern, Anm. d. Red.)

Der größte Foto-Moment Ihres Lebens?

Den gibt es nicht. Aber stolz bin ich auf das Foto, das ich von der Gamsleiten 2 gemacht habe und das heute noch auf Plakaten zu sehen ist.
Und Promis?

Die Beatles, als die hier drehten – das waren fast alles meine Aufnahmen. Ich habe dem damals gar nicht so viel beigemessen. Die Skikurse waren mir wichtiger. Ich habe es einfach nicht überrissen, wie wichtig die Beatles waren. Und dann habe ich natürlich immer die „Schneeforscher“ (berühmte Skigruppe um Uwe Seeler und Franz Beckenbauer, Ann. d. Red.) fotografiert und den Herminator (Hermann Maier, Anm. d. Red.) und so weiter. Ich habe immer fotografiert – und der Dieter Kindl hat alles an die Zeitungen gegeben.

Ihr schönstes Nightlife-Foto?

Eher mein lustigstes. Anlässlich eines Faschingsfestes. Da habe ich 150 Leute im Atelier aufgeschichtet, was an sich schon schwierig ist. Aber da waren dann noch so viele Rauschige dabei, dass wenn der Letzte gestanden ist – der Erste wieder umgefallen ist. Das hat etwas länger gedauert, bis es korrekt im Kasten war.

Und Ihr schrägstes Bild?

Zur Zeit der Skipass-Fotos standen die Leute schon um 8 Uhr in der Früh’ vor der Türe und ich habe innerhalb von zwei Stunden mit der Polaroid immer um die 200 Menschen fotografiert. Die Damen stellten sich immer brav an, die Männer jedoch drängelten. Und einmal kam so ein Krauterer die Treppe rauf gestürmt und schrie schon von Weitem, dass er nicht so lange anstehen könne. Da habe ich ihn gleich mitten im Gehen fotografiert, das Gesicht war nur zur Hälfte drauf und völlig verzerrt. Er hat es sich angesehen und geschrien: „Sie Murkser, Sie!“.

Info: 2003 wurde im Tourist Office in Obertauern im 1. Stock eine Ausstellung mit Fotos des Ortes eröffnet, inszeniert von Diethard Thallinger und Gerhard Krngs. Die ältesten Aufnahmen stammen aus dem Jahre 1900 – ein MUSS-Besuch, wenn man in Obertauern ist! Der Eintritt ist frei. Das Buch zur Ausstellung kostet 20 Euro.

Infos: www.obertauern.com

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